Jeden Monat verkauft die Deutsche Post AG tonnenweise angeblich nicht zustellbare Päckchen. Käufer ist ein bayerischer Schnäppchenmarkt, der jährlich etwa 100.000 Päckchen und Pakete von der Post aufkauft. Nach Auslegung der Post sind es Sendungen, bei denen die Adressen nicht stimmen oder ganz fehlen. Pro monatlicher Lieferung kassiert das Unternehmen pauschal 50.000 Euro – zusätzlich zu dem bereits vom Absender bezahlten Porto. Dies berichtet der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe.
Der Handel mit den doppelt bezahlten Gütern könnte nun für die Post gleich doppelt unangenehm zu werden. Zum einen macht dies deutlich, dass die laut Werbung so zuverlässigen Paketzusteller nicht übermäßig viel Mühe darauf verwenden, die Sendungen an den Empfänger zu bringen. An vielen Sendungen finden die Mitarbeiter des Schnäppchenmarktes Paketaufkleber oder Lieferscheine mit gut lesbaren Adressen. In vielen Fällen seien die Adressen nur geringfügig falsch geschrieben. Doch die Post hat dem Unternehmen vertraglich verboten, Kontakt zu den ursprünglichen Empfängern aufzunehmen. Eine fränkische IT-Firma hatte ihre Computer-Hardware auch nach sieben Nachforschungsaufträgen nicht von der Deutschen Post zurückbekommen. In dem fränkischen Schnäppchenmarkt fanden sie ihre Sendung letztendlich wieder.
Zum anderen wird hier deutlich, wie intensiv Deutschlands Kriminelle die Post nutzen: Irgendwann fiel einem Lagerarbeiter in dem Schnäppchenmarkt ein großes Kissen in die Hand, gefüllt mit Tausenden Ecstasy-Pillen. Das nächste Mal war es ein Teddybär gleichen Inhalts. Später fanden die Männer Waffen, Munition, Kinderpornografie, Elektroschocker, rechtsradikale Bücher, Filme und CDs. Hin und wieder fallen ihnen auch Polizeiuniformen, Handschellen, kolumbianische Pässe, irakische Führerscheine, amerikanische Fluglizenzen oder Autokennzeichen in die Hände. Häufiger aber ist es Heroin (im November in einer Büchse Nescafé), Haschisch (in ausgehöhlten Edding-Stiften), Marihuana (in großen Streichholzschachteln), Haschplatten (in Schokoladenpapier).
Vertraglich musste sich die Firma Elsemann verpflichten, "Gegenstände mit strafrechtlichem oder sicherheitsrelevantem Bezug" - darunter "Waffen, Munition, Ausweispapiere, Drogen, verbotene pornografische Darstellungen u. ä." - umgehend wieder bei der Post abzuliefern. Doch daran hielt sich Firmenchefin Jo-Ann Elsemann nur zu Beginn vor fünf Jahren. Dann wandte sie sich an die Kriminalpolizei in Erding. Für die Beamten dort erwies sich der Schnäppchenmarkt als Eldorado. Im Gegensatz zu den Postlern nämlich können sie die Absender oder Empfänger heißer Ware fast immer leicht aufspüren. "Meist sind auf den Päckchen nur Hausnummern verdreht oder bei Namen Buchstaben verwechselt", sagt der Erdinger Kriminalhauptkommissar Josef Vogel. Dank der identifizierten Adressen ließ die Polizei in Brandenburg im Sommer einen Vertrieb rechtsradikaler Medien hochgehen, im November letzten Jahres verhaftete sie mehrere Ecstasy-Dealer.
Weitere Informationen:
Deutsche Post AG
Gästebuch
st
Tipps der Redaktion:
Verwandte Artikel